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Der Kiebitz - Vogel des Jahres 2026


Der Kiebitz (Vanellus vanellus) ist Österreichs Vogel des Jahres 2026. Eine ikonische Vogelart mit der mich sehr viel verbindet: Für meine Masterarbeit an der Universität Wien habe ich an den Verlustursachen von Kiebitznestern im Seewinkel geforscht (siehe unten). Der gefährdete Wiesen- und Feldvogel hat seinen österreichischen Verbreitungsschwerpunkt in flachen und tiefgelegenen Regionen im Osten und Norden. Im Südosten und Süden brütet er, nach starken Rückgängen, nur noch lokal an wenigen Orten. Innerhalb der Alpen existieren einzelne Brutplätze bis ca. 900 m Seehöhe. Rezente Brutnachweise liegen - mit Ausnahme Tirols - aus allen Bundesländern vor. Der Kiebitz ist zudem ein häufiger Durchzügler abseits seiner Brutgebiete und tritt selten im Winter auf. Der aktuelle Brutbestand wird auf 3.800–6.900 Brutpaare geschätzt und BirdLife Österreich gibt einen Bestandsrückgang von -57% seit 1998 an.


Zusammenfassung
Kiebitz-Populationen erlitten in den letzten Jahrzehnten in ganz Europa dramatische Rückgänge. Hauptgründe sind Änderungen in der Landnutzung und landwirtschaftliche Intensivierung. Es ist essentiell, die Gefährdungsursachen einer Art zu kennen, um angemessene Schutzmaßnahmen ergreifen zu können. Nestverlust und eine unzureichende Produktivität in den verbleibenden Habitaten sind Hauptgründe für die Rückgänge. In dieser Studie wurden Ursachen für Nestverluste beim Kiebitz im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel untersucht. Gelege wurden erhoben und beobachtet, bis sie geschlüpft oder verloren gegangen waren. Zudem wurde das Schicksal jedes Geleges festgestellt. Auch Vegetation und Bodenfeuchte wurden an den Neststandorten erhoben, um einen möglichen Effekt auf den Schlupferfolg zu testen. Nesttemperaturen wurden mithilfe von Nest-Thermologgern aufgezeichnet, um festzustellen ob tag- oder nachtaktive Prädatoren an den Nestverlusten beteiligt waren. Künstliche Nester wurden im Untersuchungsgebiet ausgebracht und bis zur Prädation beobachtet. Die Ergebnisse wurden genutzt, um den starken Feindabwehr-Effekt von Kiebitz-Kolonien zu zeigen. Kunstnester wurden mit Wildkameras überwacht, um potentielle Nestprädatoren zu bestimmen. 59% aller und 97.5% der verloren gegangenen Kiebitznester wurden prädiert. Die durchschnittliche Überlebenswahrscheinlichkeit eines Nestes bis zum Schlüpfen lag bei 20.3%. Die Überlebenswahrscheinlichkeiten unterschieden sich signifikant zwischen verschiedenen Koloniegrößen (> 5 Nester: 55%, 2-5 Nester: 14.8%, Einzelnester: 3.5%). Koloniegröße war der einzig statistisch signifikante Prädiktor für die Nestverlustswahrscheinlichkeit. Vegetationsdeckung, -höhe und Bodenfeuchte am Neststandort, sowie Niederschlag zeigten keinen Effekt. Das Prädationsrisiko von Kunstnestern war negativ mit der Distanz zu den vier nächsten Kiebitznestern korreliert. Laut Thermologger-Daten wurden 14 von 18 Nestern in der Nacht prädiert. Folglich waren höchstwahrscheinlich nachtaktive Prädatoren (Säugetiere) die Hauptprädatoren von Kiebitznestern. Wildkameras zeichneten zwölf Prädationen von Kunstnestern auf, alle durch Rabenvögeln verursacht. Kunstnester sind daher nur bedingt geeignet, um wichtige Prädatoren zu identifizieren. Unsere Ergebnisse unterstreichen die Wichtigkeit ausreichend großer, geeigneter Habitate, auf denen sich Kolonien entwickeln können, die einen höheren Schlupferfolg haben als Einzelnester auf kleinen Habitatinseln.

 

Aus Khil, L (2016): Important factors for predation of northern lapwing Vanellus vanellus nests in a central European lowland pasture system. Masterarbeit, Universität Wien. https://doi.org/10.25365/thesis.36876