Wanderfalken an Gebäuden in der Steiermark - Urbaner Artenschutz

Livestream der Nestkamera/Webcam auf der Herz-Jesu Kirche | Peregrine Falcons in Graz, Austria (nest camera)

Tavda & Eich heißt das aktuelle Wanderfalken-Paar in diesem Revier. Im Tagebuch versuche ich regelmäßig über die Geschehnisse aus dem Nest zu berichten.

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Danke an die Unterstützer und Partner des Projektes:

Pfarre Graz Herz-Jesu | reinisch wolfgang web­management Stadt Graz, Referat Naturschutz | Verein Funkfeuer Graz | Alfred Zechner GmbH | Juwelier Weikhard

Goodmills Österreich | Holcim Österreich | STAMAG | Verbund

Verein Kleine Wildtiere in großer Not | Eulen- und Greifvogelstation HaringseeArbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz Baden-Württemberg

zahlreiche FreundInnen, HelferInnen, BerichterstatterInnen usw., die dieses Projekt für mehr Artenvielfalt im urbanen Raum gelingen lassen!


Gebäudebrüter breiten sich in der Steiermark aus

Ausgehend vom Grazer Brutpaar erschließt der Wanderfalke nun das Flachland in der Südhälfte der Steiermark und siedelt sich in verschiedenen Regionen erstmals als Brutvogel an. Seit dem Winter 2024/25 wurden vier neue Paare entdeckt, alle unter Beteiligung eines im Grazer Nest beringten Vogels. Dank zahlreicher Unterstützung konnten in den vergangenen Jahren bereits mehr als zehn neue Nisthilfen, vor allem in der Südhälfte der Steiermark, realisiert werden.

Dieses Stammbaum-Poster kann in druckfähiger Auflösung heruntergeladen werden: 4 MB


Der schnellste Vogel der Erde

In aller Kürze

Wanderfalken sind seltene und gefährdete Spitzenprädatoren und standen in Österreich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Rande des Aussterbens. Sie brüten überwiegend in Felswänden, haben in den letzten Jahrzehnten aber auch hohe Gebäude besiedelt, wo sie sichere, ungestörte Brutplätze finden - wenn es zugängliche Nischen oder Nisthilfen in sehr hohen Gebäuden gibt. Das Wanderfalken-Paar auf der Herz-Jesu Kirche ist das einzige in Graz und war das erste, das in der Steiermark auf einem Gebäude nistete. Die beiden Altvögel "Inge & Ivica" brüteten von 2021-2025 erfolgreich, bis Inge im April 2025 verschwand. Informationen zu den acht weiteren, in Österreich nachgewiesenen Falkenarten sowie allen übrigen Vogelarten Österreichs finden Sie hier.

 

Die Grazer Wanderfalken

2012 stellte ich im Turm der Grazer Herz-Jesu Kirche eine Nistnische für Wanderfalken bereit. Gleich wurde sie von Turmfalken (siehe unten) bezogen und über viele Jahre genutzt. Erst 2020 entdeckte ein Wanderfalken-Pärchen den Brutplatz für sich - die unterlegenen Turmfalken mussten weichen. 2021 kam es zur ersten Brut und in Folge waren "Inge & Ivica" bis 2025 erfolgreich. Der Brutplatz, 70 Meter über den Köpfen der Menschen, im höchsten Kirchturm der Steiermark, war damals erst der zweite in einem Gebäude in Österreich. Seither sind wenige dazugekommen. Fast die gesamte Wanderfalken-Population im Land nistet in Felswänden. Dieses Brutpaar ist das einzige in Graz und war bis 2025 das einzige bekannte, das in der Steiermark ein Gebäude bewohnte. 2025 kamen weitere hinzu. Die Jungvögel werden von mir jedes Jahr mit wissenschaftlichen Kennringen markiert um mehr über ihre Ansiedlungsorte, Wanderungen und Lebensdauer zu erfahren. Zusätzliche Nisthilfen auf hohen Gebäuden stehen bereit und werden derzeit ausgebaut, um bei Bedarf weiteren Paaren Brutraum zu bieten. Ende 2023 wurde das Grazer Nest von DI Wolfgang Reinisch mit einer hochwertigen Kamera ausgestattet, Dank der das Brutgeschehen seit der Brutsaison 2024 via livestream mitverfolgt werden kann.

Graz: Wann und wo beobachten?

Die Wanderfalken können ganzjährig an der Grazer Herz-Jesu Kirche gesehen werden, da die Altvögel das Revier nie längerfristig verlassen. Für eine Beobachtung vor Ort ist ein Fernglas immer von Vorteil, da sie meist zwischen 70 und 90 Meter über dem Boden stehen. Besonders aktiv sind sie zwischen Mitte April und Ende Juli, während die Küken gefüttert werden. Aber auch zu allen anderen Jahreszeiten kann das Brutpaar rund um die Kirche stehend entdeckt werden. Ein guter Beobachtungspunkt mit Blick auf das Nest ist der Gehsteig vor der Apotheke (Niebelungengasse 26), häufig sitzt einer der Falken ganz oben am Turmkreuz, aber auch viele Wasserspeier und Vorsprünge werden als Sitzplätze genutzt.

Infoseite aus der BürgerInneninformation Graz


Steckbrief Wanderfalke

  • wissenschaftl.: Falco peregrinus | engl.: Peregrine Falcon | franz.: Faucon pèlerin
  • Spannweite: 89-113 cm | Gewicht: meist 600-1000 g | ♂ sind kleiner, deutlich größer
  • Nahrung: Fast ausschließlich Vögel, im urbanen Raum oft überwiegend Straßentauben
  • Besonderheiten: Im Sturzflug schnellster Vogel der Erde (>300 km/h), einer der am weitesten verbreiteten Vögel der Erde (alle Kontinente außer Antarktis)
  • Gefährdung: Wanderfalken waren Ende der 70er-Jahre in Österreich fast ausgestorben, u. a. weil sich das Insektizid DDT negativ auf ihren Bruterfolg auswirkte, Brutplätze gestört und Jungvögel vom Menschen aus den Horsten entnommen wurden. Mittlerweile haben sich die Bestände (in den meisten Teilen Europas) dank Schutzmaßnahmen wieder erholt, als Spitzenprädatoren bleiben Wanderfalken aber selten und vulnerabel. Österreichweit brüten ca. 250 Paare.

Turmfalke, Sperber, Mäusebussard

Das Grazer Wanderfalken-Brutpaar hat in der Stadtbevölkerung eine erfreuliche, vogelkundliche Begeisterung ausgelöst. Aus sehr vielen Nachrichten lese ich Bedarf für eine Klarstellung: Nicht alles was in Graz fliegt und einen Hakenschnabel hat ist ein Wanderfalke. Vom seltenen Großfalken leben in der Stadt nur einzelne Individuen. Sie sind sehr scheu und halten sich (mehr oder minder ausschließlich) auf sehr hohen Gebäuden, mit freiem Auge in der Regel gar nicht erkennbar, auf. Anders als die Wanderfalken lassen sich andere, viele häufigere Greifvögel und Falken, gelegentlich auch auf Balkongeländern und Rauchfängen nieder (Sperber, Turmfalke), gehen in Gärten auf Vogeljagd (Sperber), verfangen sich in Taubennetzen (Sperber, Turmfalke) oder schielen von Bäumen und Laternen auf Mäuse (Mäusebussard). Nach der verdächtigen Sichtung also gerne hier unten oder, noch besser, in einem Bestimmungsbuch nachlesen.

 

Turmfalke (Falco tinnunculus)
Häufigster Stadt"greifvogel", viel kleiner als ein Wanderfalke, Oberseite rotbraun, Unterseite längsgestreift. Steht gerne exponiert auf Bäumen und (auch niedrigen) Häusern. Baut kein eigenes Nest. Brütet in Mauernischen in Gebäuden, mitunter auch niedrig und sogar in Blumentrögen, sowie in leerstehenden Nestern großer Vogelarten (Krähen, Bussarde usw.). Erbeutet überwiegend Kleintiere am Boden (Mäuseverwandte, Reptilien, Insekten, mitunter auch Kleinvögel).

 

Sperber (Accipiter nisus)

Größe ähnlich Turmfalke, aber mit runderen Flügeln, kalt grauer, graubrauner oder schwärzlicher Oberseite und horizontaler Bänderung ("Sperberung") der Unterseite. Lebt versteckter als Falken: Steht meist in dichten Bäumen (nicht auf der Spitze) und Sträuchern, im urbanen Raum mitunter auch auf Dachfirsten etc. Erbeutet im Überraschungsangriff nahezu ausschließlich Vögel (überwiegend Singvögel, aber auch Tauben und ähnlich große Arten). Brütet versteckt in einem selbstgebauten Baumhorst.

 

Mäusebussard (Buteo buteo)

Recht großer, brauner Greifvogel (größer als Krähen und Wanderfalke) mit variablem Weißanteil auf der Unterseite. Brütet in selbstgebautem Baumhorst. Erbeutet überwiegend von einem exponierten Ansitz (Baumspitzen, Zäune, Pfosten usw.) aus kleine Säugetiere. Benötigt Wald und offene Flächen - häufig in Ackerlandschaften - und fehlt im dicht verbauten Gebiet.



Falken in Österreich

 

Turmfalke (Falco tinnunculus)
Häufigster Falke, sehr anpassungsfähig und verschiedensten Lebensräumen zu finden.
In ganz Österreich flächig verbreitet, kleinere Lücken nur in größeren Waldgebieten sowie in den höchstgelegenen Bereichen. In den Alpen regelmäßig bis 2.000 m, höchster Nestfund auf 2.350 m. Häufiger Durchzügler und Wintergast, Zuzug aus nördlicher Richtung.

 

Rötelfalke (Falco naumanni)

Dem Turmfalken sehr ähnlich, besonders Weibchen und Jungvögel unterscheiden sich nur durch kleine Details (z. B. Länge der äußersten Handschwinge).

Ehemaliger Brutvogel in Kärnten (bis 1984) und der Steiermark (bis 1982), ausnahmsweise im Burgenland und in Niederösterreich. Aktuell nur sehr seltener Durchzügler im April/Mai sowie August/September. 

Überwintert in Afrika, südlich der Sahara.

 

 

Rotfußfalke (Falco vespertinus)

Extrem seltener Brutvogel (ca. 5 Brutpaare) offener, trocken-warmer Bereiche im Nordburgenland, derzeit in der Regel in Kolonien der Saatkrähe. Mäßig häufiger bis seltener Durchzügler in den Tieflagen aller Bundesländer, im Frühling und Spätsommer mitunter in großen Trupps. Überwintert in Afrika, südlich der Sahara.

 


 

Sakerfalke (Falco cherrug)

Größter heimischer Falke, erreich in Österreich die Westgrenze seines globalen Verbreitungsgebietes. Seltener Brutvogel im pannonischen Osten Niederösterreichs und im Nordburgenland (ca. 60 Brutpaare). In den übrigen Landesteilen sehr seltener Gast bzw. Ausnahmeerscheinung.

 

 

Wanderfalke (Falco peregrinus)

Etwas kleiner als Sakerfalke. Brutvogel mit Schwerpunkt im Alpenraum, vereinzelt nördl. der Donau (ca. 250 Brutpaare). Brutplätze liegen überwiegend in Felswänden, nur vereinzelt an Gebäuden. Baumbruten sind aus Österreich nicht belegt. Als spärlicher Durchzügler und Wintergast auch abseits der Brutgebiete in allen Höhenstufen.

 

 

Baumfalke (Falco subbuteo)

Geringfügig kleiner als Turmfalke. In offenen und halboffenen Landschaften in ganz Österreich verbreitet. Innerhalb der Alpen vor allem in den Beckenlagen sowie in größeren Talräumen, nur vereinzelt höher. Höchster Horstfund auf 960 m. Überwintert in Afrika, südlich der Sahara.

 


 

Merlin (Falco columbarius)

Kleinster Falke Europas. Mäßig häufiger Durchzügler und Wintergast aus Skandinavien und Sibirien, insbesondere in den Tieflagen. Schwerpunkt des Auftretens in den Ackerlandschaften Nordostösterreichs.

 

In Österreich extrem seltene Gäste mit wenigen Nachweisen:

 

Eleonorenfalke (Falco eleonorae)

Brütet im Mittelmeeraum und überwintert v.a. auf Madagaskar.

 

Gerfalke (Falco rusticolus)
Brütet in Skandinavien und Sibirien.

Quelle (verändert):

Khil, L., Ranner, A., Berg H.-M., Dvorak M. (2024): Die Vögel Österreichs: Kommentierte und illustrierte Liste der Arten und Unterarten. Biosystematics & Ecology 3: 5-160. DOI 10.1553/biosystecol.3.e113380

 

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